Von der Schnäppchenjägerin zur Zeitgenießerin

Von der Schnäppchenjägerin …

Was macht eine Schnäppchenjägerin aus? Ich weiß es! Ich weiß es! Leider aus eigener Erfahrung!

Denn ich bin (vielleicht jetzt war) eine Schnäppchenjägerin!

Angebote wirken unwiderstehlich, vor allem, wenn sie auch noch mit einem Ablaufdatum versehen sind. Früher waren es TV-Werbesendungen, die ein Glücksgefühl beim Wohnungsputz versprachen oder auch quasi sich selbst reinigende Spiegel, Waschbecken: Wenn nur das angepriesene Produkt verwendet wird, dann perlt das Wasser einfach ab und hinterlässt keine Kalkspuren. Oder auch die viel beliebten Multi-Packs, die sich dann in meinem Badezimmer türmen und bei denen ich nach einiger Zeit Gebrauch feststelle, dass sie doch nicht sooo gut für mein Haar oder meine Haut sind.

Und natürlich nicht zu vergessen: Die Angebote (nicht nur) zu Schulanfang! Da finde ich doch immer wieder etwas für meine Seminare und Coachings. Auch wenn es die gefühlt 145. Packung Buntstifte ist (tatsächlich habe ich erst 23 Packungen zu Hause). Klebezettelchen habe ich auch für unzählige Situationen, obwohl ich selbst meinen Kalender und meine Notizen am iPad führe. Und da machen sich Post-its nicht so gut 😉

Nun habe ich vor über einem Jahr einen Workshop besucht und am Ende wurde bereits der Termin für dieses Jahr bekannt gegeben. Kurz nach meiner Heimkehr erhielt ich eine E-Mail mit einem verlockenden Angebot: Der Preis wird im nächsten Jahr heftig erhöht – für mich als Teilnehmerin des letzten Workshops jedoch nur um 1/3! Das war ja mal ein Angebot. Der Haken daran: Die Buchung musste innerhalb weniger Tage erfolgen. Die Vortragenden standen natürlich noch nicht fest. Und ich haderte zwar etwas mit mir, merkte bei der Veranstalterin auch an, dass es quasi eine Buchung ins Blaue hinein ist – und buchte trotzdem. Nun ja, der Betrag wurde sogleich von meiner Kreditkarte abgebucht und war damit vergessen.

Ein Hotel brauchte ich ja auch und wenn ich ein Zimmer ohne Stornierungsmöglichkeit nehme, kam ich noch mal günstiger davon. Ja, klar, das mache ich doch!

Nun, ein Jahr später, hatte ich eine neue Ausbildung begonnen und war ohnehin schon fast jedes Wochenende in einem Seminar. Zudem hatte ich jede Menge neue Aufträge, die mit Vor- und Nachbereitung viel Zeit in Anspruch nahmen. Und das Programm für den Workshop war nun auch draußen. Welch Enttäuschung! Die Vortragenden kannte ich bis auf eine nicht (die fand ich sehr gut) und die Themen sprachen mich überhaupt nicht an. Was tun?

Naja, der Betrag für den Workshop wäre verschmerzbar gewesen. Doch da war ja auch noch das Hotelzimmer, das nur mit 100% Gebühr hätte storniert werden können. Ich wollte jedoch die Reise nicht mit dem Auto unternehmen und buchte dann auch gleich ein Zugticket, das die Reisekosten mit dem Auto um einiges übertraf.

Aber gut – gebucht ist gebucht und so machte ich mich auf die Reise! Im Gepäck einiges für die Arbeit – eine lange Zugfahrt versprach ja ungestörte Arbeitszeit. Dann jedoch saß eine Familie mit einem kleinen Mädchen in meiner Reihe und diese sorgte für bezaubernde Unterhaltung.

 

… zur Zeitgenießerin

Angekommen in der fremden Stadt war die Freude groß, dass ich das Hotel zu Fuß in 18min erreichen konnte. Dank rollbarem Koffer und Navigation am Mobiltelefon war es ein feiner halbstündiger Spaziergang. Auf dem Weg fand ich auch ein nettes Lokal mit frisch gekochten Speisen.

Im Hotel angekommen, wurde ich sehr freundlich empfangen und erhielt meinen Zimmerschlüssel. Der Blick aus dem 7. Stock war fantastisch. Ich packte meine Sachen aus und kam – langsam, ganz langsam – an.

Der nächste Tag: Ich entschied mich, nicht zum Workshop zu gehen und stattdessen die Stadt zu erkunden. Erst einmal ein ausgedehntes Frühstück und die Atmosphäre im Raum wahrnehmen. Da waren einige Hotelgäste, die den ganzen Tag verplant hatten, andere wollten sich einfach ohne Plan auf den Weg machen. Und ich merkte, dass ich eine klare Vorstellung von einer neuen Tasche hatte, die gleichzeitig als Rucksack dienen konnte. So machte ich mich am späten Vormittag gut gelaunt auf den Weg und fand tatsächlich bereits im ersten Geschäft, das ich betrat, die ideale Rucksacktasche für mich. Bei Butlers waren gerade einige Handpuppen neu eingetroffen und auch dort habe ich noch einiges gekauft. Zum Abschluss des Tages ging ich in einen Schreibwarenladen und suchte neue Karten für die „Seminarpost“, die ich meinen zukünftigen Seminarteilnehmerinnen anbieten wollte.

Danach genoss ich die untergehende Sonne in einem gemütlichen Cafe und freute mich über den erfolgreichen Tag, der so ganz anders verlaufen war als ursprünglich geplant.

Die Erleichterung, meinem Bedürfnis gefolgt zu sein, war groß und ich bereute nicht mehr, so voreilig gebucht zu haben.

Dennoch: Eines hat sich seither geändert! Ich lasse mich nicht mehr von Schnäppchen verführen und zahle eben eventuell etwas mehr, dafür dann für Workshops/Seminare/Veranstaltungen, die mich wirklich interessieren. So vermeide ich Ausgaben, die in Summe dann viel höher kommen und mir auch keinen Spaß bringen.

 

Experiment

Listen Sie doch einmal auf, wo Sie schon zur Schnäppchenjägerin wurden und sich anschließend darüber geärgert haben, weil Sie die Sachen doch nicht benötigt haben.

Und dann durchforsten Sie Ihre Liste noch einmal mit dem Fokus, was es Ihnen gebracht hat. Denn manchmal stellen sich anfängliche Fehlinvestitionen als Glücksgriffe heraus und Sie können damit Ihre Zeit viel besser genießen.

Schreiben Sie doch Ihre Erfahrungen als Kommentar und lassen Sie mich und andere daran teilhaben.