In meiner Praxis habe ich mit Menschen – vorwiegend Frauen – zu tun, die sich mehr Selbstbewusstsein wünschen. Auf meine Nachfrage, was sie denn darunter verstehen und wie dieses sichtbar werden kann, erhalte ich natürlich unterschiedliche Antworten.

Ganz vorne liegt: „Ich will meine Meinung sagen und vertreten können und mich nicht ständig von anderen überrollen lassen!“

Geht es hier um Selbstbewusstsein? Oder eher um Selbstbehauptung? Ist das überhaupt so klar zu trennen?

Oft werden Menschen, die charismatisch auftreten, andere für sich einnehmen und von ihren Ideen überzeugen, Kritik nicht zu nah an sich heran lassen als selbstbewusst bezeichnet. Doch ist es wirklich nur an den äußeren Faktoren messbar?

Authentisch bleiben steht für mich klar im Vordergrund! Es bringt nichts, wenn ich so tue als ob und innerlich zittere wie Espenlaub. Als ich vor vielen Jahren einen Vortrag halten sollte und 120 Stühle bereit standen, zog ich mich auf die Toilette zurück und versuchte, meine Anspannung abzubauen. Gleichmäßig atmen war da nicht sofort möglich. Erst einmal musste ich mehrmals fest mit den Füßen aufstampfen, um mich wieder zu spüren. Dann erlaubte ich der Angst, sich den Raum zu nehmen, den sie brauchte. Der war gar nicht so groß, wie ich befürchtet hatte. Ein bisschen Aufregung war ja gut, das zeigte den Respekt, den ich vor dem Publikum hatte.

Und dann redete ich mir selbst gut zu: „Die ZuhörerInnen wollen von dir etwas erfahren. Du hast dich gut vorbereitet, deinen Vortrag mit Beispielen anschaulich gemacht und du erzählst aus deinem beruflichen Alltag.“ Zurück im Vortragsraum sah ich, dass mittlerweile alle Stühle besetzt waren. Ich entdeckte zwei sehr liebe Kollegen im Raum und holte mir von ihnen noch Unterstützung. Einer übernahm die Aufgabe, auf die Zeit zu schauen und mir vor allem ein Zeichen zu geben, wenn ich zu schnell sprach (ja, wenn ich aufgeregt bin, galoppiert meine Zunge nur so dahin). Der andere war bereit, im Anschluss zwei Fragen zu stellen, sollte sich niemand sonst zu Wort melden.

Ich muss zugeben: Die Stadthalle möchte ich nicht bespielen. Doch ein bisschen Bühne darf es schon sein 🙂

Was passt zu mir und meinem Persönlichkeitstyp?

Die Einteilung in introvertiert und extravertiert ist natürlich ein theoretisches Konstrukt. Jede/r sieht sich in unterschiedlichen Situationen mal so, mal so. Die eigene Grundtendenz zu kennen hilft jedoch dabei, sich nicht zu überfordern.

Wenn ich eher zurück gezogen lebe, nicht gerne im Mittelpunkt stehe … na, dann werde ich mir wohl keinen Job suchen, bei dem ich auf andere zugehen und sie von meinen Produkten überzeugen muss.

Bin ich jedoch am liebsten unter möglichst vielen Menschen und präsentiere mich selbst gerne im Rampenlicht, werde ich kaum im Back Office-Bereich arbeiten wollen.

Natalie Schnack beschreibt in ihrem Buch „30 Minuten Selbstbehauptung“ sehr anschaulich die Statusregeln. Diese sind aus dem Improvisationstheater übernommen. Es geht um die Unterscheidung von Hochstatus (Überlegenheit), Tiefstatus (Unterlegenheit) und – ganz wichtig – die Status-Wippe für gelungene Kommunikation.

Werte und Glaubenssätze bestimmen unseren inneren Status. Lebensrollen verlangen von uns oft ein Verhalten, hinter dem wir innerlich nicht stehen. Dann kommt es zu Differenzen, die teilweise sehr anstrengend werden können. Ideal sind Situationen, in denen sich innerer und äußerer Status decken.

Im Buch wird ausführlich beschrieben, wie die Status-Komfortzone erweitert werden kann. Fallbeispiele und anschauliche Übungen unterstützen den persönlichen Weg.

Selbstbehauptung lässt sich natürlich nicht in 30min lernen und umsetzen. Doch das Buch ist in dieser Zeit zu lesen und bildet eine gute Basis für die kontinuierliche Arbeit an sich selbst und dem eigenen Verhalten.

Das Video, in dem die Autorin über ihr Buch spricht, bietet einen ersten Einblick in die Status-Arbeit.

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Selbstbewusstsein und Selbstbehauptung
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3 Gedanken zu „Selbstbewusstsein und Selbstbehauptung

  • 12.09.2013 um 16:27
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    Liebe Sandra Schleicher,

    wie schön, vielen Dank dafür, dass Sie mein Buch gelesen und hier darüber schreiben!
    Schade, dass ich es jetzt erst gesehen habe, aber besser später als nie, oder?!

    Herzliche Grüße
    Natalie Schnack

  • 15.09.2013 um 08:54
    Permalink

    Hallo Frau Schnack!

    Ich schreibe gerne über Bücher, die mich inspirieren. Da gehört Ihres eindeutig dazu.

    Weiterhin viel Erfolg und ich freue mich auf neue Bücher von Ihnen. Bis es so weit ist, lese ich gerne in Ihrem blog.

    Sandra Schleicher

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